Spurlos verschwunden – Kapitel 4

Die Zeugenbefragung…

LandstraßeAuf dem Weg nach Hause kommt Amanda eine Idee: ‚Ich fahre noch mal zur Sabine nach Hause. Das liegt ja auf’m Weg. Vielleicht ist sie ja inzwischen aufgetaucht‘. Mit reichlich Hoffnung im Herzen biegt sie von der Landstraße in Sabines Straße ab. Diesmal steigt Amanda entschlossener als am Abend zuvor aus ihrem Auto und klingelt bei der freundlichen alten Dame mit dem kleinen Hündchen. Jene Frau also, die sie am Abend zuvor so hilfreich unterstützt hatte.
Über die Sprechanlage bittet sie um Einlass, der ihr auch gewährt wird.

Als Amanda die Treppe heraufkommt, wartet die alte Dame bereits an der Tür. Ihr Hündchen steht erwartungsvoll an der obersten Treppenstufe und wedelt sogleich mit seinem Schwänzchen, als er Amanda erblickt.
„Hallo! Schön, Sie zu sehen!“, wird die junge Frau von der alten Dame begrüßt. Amanda lächelt, erwidert freundlich die Grüße und setzt sogleich fort: „Ich war gerade bei der Polizei und habe eine Vermisstenanzeige aufgegeben.“ Amanda streichelt den Hund und fragt: „Gibt es irgendwas Neues?“
„Die Beamten sind gerade in der Wohnung!“, flüstert die alte Dame und deutet mit ihrem Kopf auf Sabines Wohnung.
„Ohhh! Dankeschön“, lächelt Amanda, „Ich klingle mal…“.

Einen kurzen Moment später wird die Wohnungstür von einem Polizist im mittleren Lebensalter geöffnet. Er senkt sein Haupt und blickt Amanda etwas schräg über seine Brille an. „Ja??“, fragt er forsch. Amanda ist leicht verunsichert und erklärt ihm, wer sie ist, dass sie schon eine Vermisstenanzeige aufgegeben hat und nun nachsehen wollte, ob Sabine nicht vielleicht aufgetaucht ist.
„Na da kommen Sie erst mal rein!“. So betritt Amanda die Wohnung ihrer Freundin Sabine. ‚Irgendwie seltsam: erst bin ich gar nicht hier und dann gleich zweimal‘, denkt sie sich.
„Bitte fassen Sie nichts an, bis wir alles inspiziert haben!“, ermahnt sie der Polizist.
„Ja, ist doch klar“, entgegnet Amanda und blickt sich erneut um, als wäre sie nun das erste Mal in Sabines Wohnung. „Und? Haben Sie schon irgendwas herausgefunden?“, fragt sie interessiert.
„Nun, es gibt zumindest keine Anzeichen, dass eingebrochen wurde oder dass diese Wohnung ein Tatort ist“, antwortet er. „Interessant ist sicherlich, dass Ihre Freundin angerufen wurde“.
„Und? Das bedeutet?“ – Amanda schaut zum Telefon auf der kleinen Flurkommode als könne es ihr antworten und dann wieder zu dem Beamten: „Wissen Sie, wer es war, also der Anrufer?“, bohrt Amanda weiter.
„Wir können nicht sagen, wer es war. ‚Nummer unterdrückt‘… das macht das Nachvollziehen schwer, falls diese Information noch mal brauchen“, seufzt der Beamte.
„Hm… und wann soll das gewesen sein?“, fragt Amanda.
„Das kann, das darf ich Ihnen nicht sagen! Haben Sie bitte Verständnis!“.
„Ja. Natürlich…“, entgegnet Amanda und beschließt mit den Worten: „Naja. Ich fahre wieder nach Hause. Ich kann ja ohnehin nicht helfen…“. Der Beamte nickt zustimmend.

Als Amanda in Begriff ist, die Wohnung zu verlassen, steht im Treppenhaus jener Herr, der am Abend zuvor im Pyjama beim Eintreffen der Polizei zugegen war. „Sie werden entschuldigen“, beginnt er, „ich habe bemerkt, dass Frau Swoboda offenbar verschwunden ist.“
Amanda und der Beamte antworten wie aus einem Mund: „Jaa!“. Der Polizist schaut Amanda eindringlich an, ganz so, als wöllte er sagen: damit das klar ist, ich stelle hier die Fragen – und fragt nun den Nachbarn: „Haben Sie irgendwas bemerkt? Ganz gleich, was. Sei es auch nur unbedeutend für Sie. Das ist es nämlich für uns häufig nicht!“
„Nun ja… am Mittwoch Abend als ich nach Hause gekommen bin, kam mir Frau Swoboda ziemlich aufgeregt entgegengelaufen. Sie hat sich eine Jacke beim Runterlaufen angezogen. Offenbar hatte sie es eilig“, berichtet der Nachbar und fügt, fast ein bisschen beleidigt, hinzu: „Sie hat nicht mal gegrüßt…“ Das will ja etwas heißen, denn Sabine ist nicht nur adrett, sondern normalerweise auch freundlich.

Der Polizist bedankt sich und notiert sogleich des Nachbarn Aussage samt seinem Namen. Amanda wendet sich mit Tränen in den Augen dem Beamten zu: „Ich fürchte, meiner Freundin könnte etwas zugestoßen sein“ und bemerkt nach einer kurzen Pause: „Das erklärt vielleicht auch, warum sie ohne Tasche losgelaufen ist. Aber ohne Schlüssel die Wohnung verlassen? Ob das etwas mit dem Anrufer zu tun hat?“, fragt sie den Beamten.
„Das werden wir herausfinden. Vielleicht hatte sie es tatsächlich nur eilig und hatte am Schlüsselbrett einen Zweitschlüssel, den sie rasch mitnahm“, antwortet er. „Ich möchte Sie bitten, nach Hause zu fahren. Wer weiß, vielleicht meldet sie sich ja bei Ihnen?!“ und versucht, Amanda zu beruhigen: „Ich befrage dann die Nachbarschaft. Reine Routine. Möglicherweise hat ja jemand noch etwas bemerkt.“ Amanda bedankt sich kopfnickend und verlässt das Haus. ‚Klingt das noch nach einfach untergetaucht?!‘, fragt sie sich und fährt mit einem unguten Gefühl nach Hause.

Die Befragung der Nachbarn ergab, dass Sabine von einer Nachbarin auf der nahegelegenen Landstraße zuletzt in jener Kleidung gesehen wurde, in der sie bereits im Treppenhaus dem Nachbarn entgegengekommen war. So verliert sich Sabines Spur auf der Landstraße – und das Rätsel um ihr Verschwinden bleibt.

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